Auszeit Januar – März 2020 – Teil 3 Spanien

Die erste Nacht, die wir wieder in Spanien auf einem Picknickplatz verbringen, ist  ruhig und ungestört. Vor und nach dem Frühstück lassen wir Tinka ein bisschen springen. Das an der langen Leine, da hier doch überall allerlei Unrat rumliegt. Nun ja, irgendwas frisst sie trotzdem, was sie nicht soll. Das lässt uns jetzt schon Wehmut nach Portugal aufkeimen, denn dort  konnten wir Tinka meist ohne Sorge rumschnuppern lassen.

Die Sonne lässt sich heute nicht so oft sehen, und wir entscheiden uns für einen Fahrtag. Ziel ist 200 km weiter Richtung Cordoba der Ort Fuentes de Andalusía, wo es einen kostenlosen Stellplatz gibt. Da Tinka noch nicht ganz fit ist, legen wir den restlichen Tag eine Ruhepause ein.

Tinka ist am Morgen wieder ganz die alte. So fahren wir ein Stückchen weiter und parken für eine schöne Wanderung bei Trassierra, nicht weit von Cordoba.

Für die Nacht suchen wir uns einen eigentlich schönen Wanderparplatz am Rand von Santa María de Trassierra aus. Mal sehen, ob die Nacht ruhig wird, denn hinter unserem Camper haben sich ein paar Jugendliche auf einer Mauer mit Bier und Musik bequem gemacht. Wir hoffen mal, dass es Ihnen irgendwann zu kalt werden wird…

Wie erhofft war die Nacht ruhig. Es gibt hier ein paar sehr gut ausgeschilderte Spazierrunden im Wald vom Parkplatz aus, von denen wir uns eine für die schnelle Gassirunde mit Tinka entscheiden. Als nächstes Ziel suchen wir uns den Naturpark Sierras Subbéticas aus. In der Nähe von Zuheros schauen wir zuerst einen Wohnmobilstellplatz an, der aber direkt an der Hauptverkehrsstrasse liegt und uns somit nicht gefällt.

Am Ortseingang von Zuheros gibt es einen kleinen Parkplatz, der sich auch zum Übernachten eignet. Praktischerweise beginnt hier auch eine schöne kleine Wanderung von knapp 5 km, die die Schlucht hinaufführt. Unterwegs genießen wir eine tolle Aussicht auf’s Dorf, das zu den schönsten Spaniens gehören soll. Ein kleiner Wehmutstropfen ist der Rückweg auf der Straße zurück nach Zuheros. Da wäre ein Pfad schöner…

Morgens ist es neblig trüb, und es soll laut Wetter-App erst gegen Mittag aufreißen. So lassen wir es gemütlich angehen und fahren zunächst die Sackgasse hoch Richtung Cueva de los Murciélagos. Kurz vorher beginnt eine interessante Wanderung von knapp 12 km, die wir gerne machen wollen. Da aber sonst kein Auto da parkt, und alles sehr einsam da oben ist, entscheiden wir uns in die Ortschaft Luque zu fahren, wo die Tour auch begonnen werden kann.

Nur kurz irren wir mit dem Camper durch die engen Gassen und finden recht schnell den Einstieg zur Tour. Diese ist wirklich prima und fast noch schöner wie die gestrige.

Wir loben mal wieder die gute Beschilderung – das sollten wir nicht mehr tun, denn wie letztes Mal als wir voll des Lobes waren, verlaufen wir uns. Dies ist aber nicht schlimm, dank unserer Wander- App finden wir schnell wieder den richtigen Pfad.

Für die Nacht fahren wir in das Herz des Naturparks und schon die Fahrt dorthin gefällt uns gut. Hübsche Berge, Ortschaften mit Burgen und riesige Olivenhaine. Der Wohnmobilstellplatz in der Nähe von Los Villares kostet normalerweise 12,50 € ohne Strom, wir können für 10 € stehen, da keiner von uns Kleingeld zum Wechseln hat. Wir sind hier tatsächlich die einzigen Gäste!

Eine kleine Posada gehört zum Stellplatz, wo man wohl ganz toll essen kann. Wir fragen nach, sollen aber bis 20.00 Uhr warten. Das ist uns viel zu spät, also einigen wir uns auf Pasta in einer halben Stunde. Prima! Wir bekommen vorgesetzt, was wir im Camper selbst relativ oft kochen. Spaghetti mit Gemüse in Tomatensauce. Aber trotzdem schmeckt es, und wir können uns einfach mal an den Tisch sitzen ohne vorher zu schnibbeln und brutzeln und danach abzuspülen.

Morgens nutzen wir den Sonnenschein für eine kleine Wanderung immer der Nase nach. Bedeutet, dass wir ohne Plan einfach drauflos laufen und uns einen markanten Felsen als Ziel nehmen. Wir nehmen Wege, Pfade oder zur Not auch querfeldein, was hier unweigerlich durch Olivenhaine führt. Den anvisierten  Felsen lassen wir aus, da sich Regenwolken blicken lassen.

Der Naturpark Sierras de Tejeda, Almijara y Alhama südlich von Alhama de Granada ist unser nächstes Ziel.

Dort gibt es einen Picknickplatz, den wir uns anschauen. Der ist im Sommer sicher schön, wenn die hohen Pinien Schatten spenden. Aber jetzt bei über 1000 m Höhe im Pinienwald ist er düster und wir entdecken viele Gespinste der blöden Pinienprozessionsspinner, von denen wir tatsächlich eine Prozession auf dem Boden entdecken! Aber der gewichtigere Grund ist, dass wir Null Handyempfang haben. Tommy liest jetzt erst die Nachricht seiner Schwester, dass es seiner Mutter nicht so gut geht. Deshalb fahren wir die Piste weiter bis hinauf auf fast 1200 m, wo wir wieder Empfang haben und telefonieren können. Es könnte sein, dass sie sich die echte Grippe eingefangen hat, erfahren wir. Wir hoffen, dass es ihr bald wieder besser geht. Auf dem Berg oben finden wir auch noch einen wunderbaren Platz neben einer Hausruine mit viel Aussicht. Hier bleiben wir für die Nacht!

Die Nacht ist kalt und windig. Wir bekommen Entwarnung aus der Heimat – Tommys Mutter hat nicht die Grippe erwischt. Die Wanderung hinauf bis auf 2000 m Höhe lassen wir sausen. Irgendwie haben wir Lust auf Wärme und Meer, und das gibt es hier oben nicht. Wir fahren auf der östlichen Seite des Naturparks Richtung Süden und sind begeistert von der schönen Strecke auf der A- 4050 durch die Berge über Otívar, Jete nach Almuñécar.

 

Bei Motril gibt es einen großen Parkplatz mit viel Grün und Palmen direkt am Strand, wo im Winter das Freistehen mit dem Wohnmobil toleriert wird. Mal sehen, ob wir hier ein paar Tage bleiben und auch mal wieder die Fahrräder auspacken.

  

Heute ist ein echter Ruhetag. Wir nehmen uns nicht viel vor, sondern laufen nur gemütlich den Strand entlang und zum nächsten Supermarkt. Wir packen die Stühle aus, und legen ein bisschen die Füße hoch. Jetzt am Wochenende ist hier viel los. Es gibt einige Strandbars und eine Disco ist auch nicht weit. Nun ja, wir wollen uns nicht beschweren, denn eigentlich nehmen wir Camper diesen Leuten ja den Parkplatz weg. Bisher hatten wir immer ruhige Nächte, da werden wir die eine unruhige aushalten können.

Die Nacht ist dann doch überraschenderweise so ruhig wie sonst auch. Die Strandbar war um Neun am Abend zu. Die meisten waren wohl nur wegen des Sonnenuntergangs da, den wir leider verpasst haben, aber heute fest vorhaben anzusehen. Und die Disco, die wir vermuteten, war ein Restaurant eines Golfclubs, das auch gegen Zehn die Musik runterdrehte. Also alles prima!

Heute machen wir eine kleine Radtour ins Hinterland. Diese wird anders als geplant, denn die Schotterwege, die wir eigentlich fahren wollten, sind allesamt mit Toren abgesperrt, da sie zu Obstplantagen gehören. Wir finden einen anderen Weg und stecken Tinka auf dem Heimweg in den Radanhänger, was sie fast klaglos über sich ergehen lässt. Es wird! Nachmittags ist wieder relaxen vor dem Camper angesagt.
Die Menschenmassen strömen heute am Sonntag nur so an den Strand. Ein Norweger mit seinem Dickschiff samt Hänger und Auto nimmt sehr viel Parkplatz in Anspruch, winkt aber die Einheimischen ran, damit sie bei ihm in zweiter Reihe parken. Ein netter Zug von ihm.
Uns wird es vom vielen Relaxen ein bisschen langweilig, und so werden wir morgen wieder weiterziehen…

Wir benötigen heute lange, um von Motril loszukommen. Zuerst räumen wir den Müll um unseren Camper weg, den die Sonntagsbesucher des Strands einfach fallen gelassen haben. So hinterlassen wir unseren Platz nicht, auch wenn’s nicht von uns ist… Dann fahren wir bei dem kleinen Supermercado vorbei, um das leckere Bäckerbrot und Gemüse einzukaufen. Tanken, großer Supermarkt anfahren und einkaufen und da ist auch ein Sportgeschäft, das wir noch schnell besuchen. Da kaufen wir neue Campingstühle, da die alten nicht mehr lange halten werden. Der Bezug ist fast durchgerissen, und bevor einer von uns am Boden landet… Die neuen sind sogar mit verstellbarer Lehne, so dass man schön reinfläzen kann. Das alles dauert, Tinka scharrt schon mit den Pfoten, aber wir haben noch 150 km bis zum heutigen Ziel, Cabo de Gata.


Der erste Parkplatz zur Übernachtung ist eine Enttäuschung, zwar direkt am Meer, aber staubig. Da kommen wir gerade von einem viel schöneren Platz und haben dementsprechend Ansprüche. Aber für einen schönen Strandspaziergang für Tinka tut´s.

Kurz vor dem Leuchtturm gibt es einen Parkplatz über den Klippen und einem kleinen Strand, der eigentlich verboten ist für Wohnmobile. Wir hoffen nun einfach, dass das jetzt in der Nebensaison niemand stört und relaxen schon wieder – in unseren neuen Campingstühlen. Tinka lernt zwei nette einheimische Hündchen kennen und hat auch ihren Spaß. Ein toller Platz!

Weil’s so schön ist beim Leuchtturm verlängern wir spontan unseren Aufenthalt, machen morgens einen Spaziergang den ausgetrockneten Bachlauf hinauf bis es nicht mehr weitergeht und mittags eine super Wanderung zum Torre de Vela Blanca. Wir bewundern die vielen Blumen und die wunderbare Aussicht über die Klippen und das Meer.

Nachmittags wird relaxt auf den neuen Stühlen und nach dem Abendessen genießen wir den hübschen Sonnenuntergang. So schön kann Reisen sein!

 

Gestern oben beim Torre de Vela Blanca haben wir gesehen, dass der Weg an der schönen Küste weiterführt. Daher fahren wir zum Playa de Mónsul, um von der anderen Seite zum Torre hochzulaufen.

Am Parkplatz ist ein Schild Camping verboten, und wir halten uns daran und fahren nach der schönen Wanderung weiter nach Garrucha, um dort auf einem Parkplatz mit Meersicht die Nacht zu verbringen.


Vom Camper aus beobachten wir Wasserflugzeuge, die im Meer Wasser tanken. Scheinbar brennt es irgendwo in der Nähe!

 

Wir fahren die Küste langsam nach Norden und sehen einen traumhaften Freistehplatz nach dem anderen. Schließlich landen wir am Playa de la Higueríca bei Águilas einen tollen Platz.

Tommy fährt mit dem Rad in die Stadt, während Rosa und Tinka eine kleine Tour machen. Es gibt Wanderwege in fast alle Richtungen, die sich super für die Gassirunde mit Tinka eignen. Zwar steht auch hier, dass Camping verboten ist, aber es stört sich niemand an uns und den anderen paar Wohnmobilen. Wir vermeiden Campinverhalten wie Stühle und Tische vor dem Camper und parken nicht in der ersten Reihe.

  

Es ist ziemlich warm heute, daher freuen wir uns auf den Mittag am Strand und wagen uns sogar ins kühle Nass!

Heute fahren wir nach Puntas de Calnegre, um von hier zum schönen Strand Playa de Percheles zu laufen.

Die Strecke kennen wir schon von Dezember 2018. Damals feierten wir den 80. Geburtstag Rosas Vater in dieser Gegend. Eigentlich wollten wir in der kleinen Strandbar etwas trinken, aber diese existiert nicht mehr. Dafür steht auf dem Parkplatz ein Wohnmobil neben dem anderen, was damals nicht so war. Wahrscheinlich ist der Parkplatz schon länger nicht mehr von der Polizei geräumt worden, denn eigentlich ist Camping hier verboten…

Zurück in Puntas de Calnegre genießen wir ein gutes und mit 10 € inkl. Getränk günstiges Mittagsmenü direkt am Strand.

Für Tinka etwas aufregend, da es unter den Tischen nur so von bettelnden Katzen wimmelt.
Ein netter Spanier spricht uns an und sagt, wir sollen das Essen genießen, denn ab heute Abend müssen alle Lokale und Geschäfte ausser den Supermärkten hier an der Küste schließen. Das Corona- Virus hat uns eingeholt…

Noch wollen wir unseren Aufenthalt in Spanien so gut wie möglich genießen. Wir planen für die nächsten Tage ein bisschen mehr einzukaufen, zu tanken und das Wasser aufzufüllen, um dann sorglos mit dem Camper frei stehen zu können. Der Einkauf dauert ewig, denn es wird gehamstert ohne Ende… Das Land befindet sich im Alarmzustand. Wir als Urlauber und Camper, die bevorzugt alleine in der Natur stehen, empfinden das Risiko einer Ansteckung für uns als äußerst gering, aber wir verfolgen ständig das Geschehen, um gegebenenfalls unsere eigene Situation neu zu bewerten.

Wir fahren nach Bolnuevo, um dort an der wunderschönen Küste zu wandern.

Auf dem Weg dorthin sehen wir die örtliche Polizei, die den Zugang zum Strand mit Absperrband versieht. Auf dem Parkplatz steht auch ein Polizeiauto, aber sie schauen uns nur zu, wie wir uns für die Wanderung bereit machen. Es ist sehr warm, zu warm für Tinka, so dass wir die Wanderung abkürzen. Unterwegs treffen wir deutsche Mountainbiker, die von der Polizei angehalten wurden. “Go home! ”

Für die Nacht planen wir auf dem “Kanonenberg” Batería de Castillitos zu stehen.

Aber immer mehr Nachrichten zum Coronavirus bringen uns zu der Entscheidung uns vorzeitig auf den Heimweg zu machen.

Das Navi sagt, es sind über 1700 km nachhause, wenn wir nicht über die Schweiz fahren! Da die Grenze Frankreich- Deutschland übermorgen früh zumacht, wollen wir es vorher noch nach Deutschland schaffen, um Wartezeiten an der Grenze zu entgehen. Also machen wir uns nach dem Abendessen auf die lange Reise heimwärts, und fahren noch etwa 300 km am selben Abend. Die Autobahn ist ausser LKWs fast leer, und wir wundern uns, dass nur vereinzelt Wohnmobile zu sehen sind. Wir verbringen eine recht ruhige Nacht auf einer Autobahnraststätte und starten erholt in einen sehr langen Fahrtag. Es sind neben den paar LKWs nur vereinzelt Autos unterwegs. So eine leere Autobahn haben wir noch nie gesehen, denn die Spanier halten sich an die Ausgangssperre. Nach ein paar Stunden ändert sich das Bild – wie an einer Perlenschnur reihen sich die Wohnmobile aneinander. Bei einer kleinen Pause unterhalten wir uns mit einem Mann, der mit seinem Camper gerade mal zwei Tage im Süden Spaniens war, bevor er sich wieder auf den Weg zurück nach Deutschland gemacht hat! Er ist alleine unterwegs und hat daher nicht immer die aktuellen Infos. Da haben wir es einfacher – einer fährt, der andere liest am Handy die aktuellen Nachrichten. Wir können ihn aufklären, dass die Grenze Frankreich- Deutschland nicht um Mitternacht, sondern erst morgens um 8.00 Uhr dicht macht, und er als Deutscher so oder so nach Deutschland einreisen kann.

Wir nehmen die zweitletzte Tankstelle in Spanien zum Tanken in der Hoffnung, dass da nicht so viel los ist, aber so denken wohl alle, und wir benötigen für den Tankstop eine Dreiviertelstunde. Das liegt auch daran, dass der Tank- und Bezahlvorgang in dieser Ausnahmesituation etwas umständlich ist. Es muss am Nachtschalter zuerst die Kreditkarte hinterlegt werden, dann wird die Zapfsäule freigeschaltet und für´s Bezahlen muss man sich wieder in die Warteschlange einreihen.

In Frankreich klappt das besser – hier kann direkt mit der Karte an der Zapfsäule getankt werden. Hier ist deutlich mehr los auf der Autobahn. Es scheint, dass die Franzosen den letzten Tag vor ihrer Ausgangssperre noch mal nutzen. Am 15. März erreichen wir spät abends unsere Heimat.

Spanien als Reiseland mit Camper und Hund gefiel uns sehr gut. Auch wenn in Spanien noch nicht bei jedem angekommen scheint, dass Abfall und Hundekot in den Mülleimer gehören und nicht auf die Straße, gibt es vor allem in den Naturparks viel unberührte Natur. Und dort oft gut ausgeschilderte Wanderrouten!  Auch Spanien bietet viele kostenlose und kostengünstige Wohnmobilstellplätze, aber wir standen bevorzugt frei, obwohl das vielerorts eigentlich verboten, aber wohl in der Wintersaison oft toleriert wird.

Das Ende dieser Reise war aufgrund der rasanten Ausbreitung des Corona- Virus in Europa sehr abrupt. Eigentlich wären wir gerne ganz langsam und in kurzen Etappen Richtung Heimat getingelt. Aber wir sind sehr froh, dass wir zweeinhalb Monate unbeschwert reisen konnten!  Wer weiß, wann wir wieder reisen können, und ob es in dieser Form überhaupt noch möglich sein wird.

Nun heißt es auch für uns, zumindest so weit es geht, “Wir bleiben zuhause” und hoffen, dass die Menschheit so gut wie möglich durch diese Krise kommt.