Neuseeland Dezember 2005-März 2006

Neuseeland


Von Sydney drei Stunden Flug, und wir landeten in Auckland.
Alex, ein Deutscher, der mit seiner Familie vor 20 Jahren nach Neuseeland ausgewandert war, holte uns vom Flughafen ab. Ihn hatten wir über´s Internet schon vor unserer Reise kennengelernt. Er lud uns ein, seine Frau Gerda und ihn zum BMW- Motorradtreffen auf die Südinsel zu begleiten. Sie wollten erst in ein paar Tagen starten, und so hatten wir genügend Zeit die Motorräder aus den Fängen des Zolls zu befreien.


Auf dem Weg zum Motorradtreffen am Arthurs Pass besuchten wir das Te Papa Museum in Wellington, aßen Lobster in Kaikura und entspannten im Thermalbad in Hanmer Springs. Beim BMW- Treffen lernten wir Bernd aus dem Allgäu kennen, der mit seiner BMW für mehrere Monate in Neuseeland war und dort auf einem Weingut jobbte, um sich das Geld für die Heimreise anzusparen. Leider lebt Bernd heute nicht mehr. Er starb auf tragische Weise auf einer seiner Motorradreisen in Afrika, als ihn ein Elefant angriff.

Viele BMW- Motorradfahrer steckten uns ihre Adressen zu, damit wir sie auf der Tour durch Neuseeland besuchten.

Wieder allein unterwegs hielten wir am Franz Josef Glacier, übernachteten am Gillespies Beach und fuhren über den Haast Pass zum Lake Wanaka.


Die Ortschaft mit demselben Namen gefiel uns, und wir blieben wir ein paar Tage, bevor wir nach Te Anau aufbrachen. Dort harrten wir mehrere Regentage aus, um die sogenannte schönste Motorradtour Neuseelands zum Milford Sound bei möglichst gutem Wetter zu bewältigen.

Das Warten lohnte sich: Endloser Kurvenspaß durch eine grandiose Landschaft, schneebedeckte Berge, die sich in klaren Seen spiegelten, Flüße mit blaugrünem Wasser, die sich den Weg ins Tal hinab suchten, Wasserfälle…Und dazu der blaue Himmel und ein paar Wölkchen, die an den Bergen hängengeblieben waren. Ein perfekter Tag für den Milford Sound!

Toddys Adresse, wenige Kilometer von Te Anau entfernt, hatten wir von anderen Motorradweltreisenden. Wir wurden herzlich empfangen und verbrachten den Abend vor Toddy´s Bergen von Fotos von seinen Motorradtouren in aller Welt.
Toddy zeigte uns seine Schätze, die alle im Wohnzimmer auf ihren Einsatz warteten: Eine schnelle Honda, eine dicke Harley und eine DR 650 für´s Grobe. Genauso eine, aber mit großem Tank, wartete in den USA auf seine Rückkehr…
Zum Schlafen durften wir in´s “Cottage”, ein kleines Hüttchen im Garten mit Etagenbetten. Wir sollten doch noch einen Tag länger bleiben. Genau gegenüber seinem Haus begann eine Schotterstraße, die zum “Lake Marova” führte, ein Muß, so sagte Toddy.

Erst um halb Zwölf morgens konnten wir uns zu dieser Tour aufraffen – jetzt oder nie! Der Weg zum Lake Marova war gut zu fahren: Breit, kein Wellblech und nicht allzu tiefer Schotter. Zum hinteren Zipfel des Sees ging´s durch Schlammlöcher im Wald und tiefen Kies am Strand. Vom dort erreichten wir nach etwa 70 km Schotterstraße mit zwei Flußüberquerungen die “Walter Peak Station”, eine Farm direkt am “Lake Wakatipu”. Das breite Tal, die hohen Berge zu beiden Seiten und das goldgelbe Gras, alles erinnerte uns an die Mongolei!

 
Ein historisches Dampfschiff namens “TSS Earnslaw” wurde 1912 als Transportmittel für die abgelegenen Farmen am “Lake Wakapitu” gebaut. Sie konnte bis zu 1500 Schafe auf ihren Decks befördern. Heute bringt sie bis zu 350 Passagiere zur Walter Peak Station, wo man beim Schafescheren und Wollespinnen zuschauen kann.
Und obwohl keine Fahrzeugfähre, brachte sie uns und unsere Motorräder über den See nach Queenstown!

Auf Teer ging´s nun schneller vorwärts und gegen 20°° Uhr trudelten wir wieder bei Toddy ein, und wir schwärmten ihm in den höchsten Tönen von unserer wunderschönen Tagestour vor…

Nun fanden wir Gefallen an Toddys Tourvorschlägen und nahmen uns die nächste vor: Die Nevis Road.


In Bannockburn bei Cromwell bogen wir in einen Schotterweg ein, der sich in Kehren zum „Duffers Saddle” auf knapp 1300 m Höhe hinaufschraubte. Oben angekommen machten wir Rast – wir genossen die grandiose Aussicht hinab ins Tal.
Dann ging´s abwärts Richtung “Nevis Valley”, vorbei an ein paar abgelegenen Farmen.

 
Hätten wir den Pass problemlos auch mit unserem Gepäck bewältigt, waren wir nun froh, daß wir es nicht dabei hatten: Die ersten Flußüberquerungen waren noch bequem – über Brücken. Aber dann entlang der Nevis kreuzten immer wieder Flußläufe (ca. 25!) die Schotterstraße. Meist waren sie knietief, so daß uns das Wasser in die Stiefel schwappte. Danach ging´s an einer historischen Skihütte vorbei ins Tal. Eine geniale Tour mit viel Endurospaß durch eine traumhafte Landschaft .

Eine weitere Endurostrecke lockte uns zum Skippers Canyon.

Skippers Canyon
“Only 4WD” warnte ein Schild, das nächste wies darauf hin, daß dies eine öffentliche Straße sei, die nur mit zugelassenen Fahrzeugen befahren werden darf.

Sie ist steil, schmal, kurvig, sandig und die Straße ist in einen steilen Hang gebaut. Also Endurospaß pur! Hier zieht es viele Abenteuerhungrige her: Ein paar Trialfahrer preschten an uns vorbei, ein Bus mit Mountainbikes auf dem Hänger karrte die Downhill- Fahrer zurück nach Queenstown, und die Busfahrer, die die River- Rafting- Teinehmer zum Ausgangspunkt ihrer Tour auf dem Shotover River brachten, meinten wohl, ihnen gehörte die Sraße allein. Es war ganz schön viel los im Skippers Canyon, und das Herz blieb uns öfters mal stehen, wenn gerade wieder ein “Rafting”- Bus auf der einspuringen Strecke (und wir auf der Abhangseite) um die Ecke fegte.
Trotzdem: Wieder eine wahnsinnig schöne Tour mit atemberaubenden Ausblicken in wunderbarer Natur!


In Dunedin hatten wir eine Anlaufstelle bei Bettina, Thomas und ihren Söhnen, die ursprünglich aus Deutschland, viele Jahre in den USA lebten und seit einem erst in Neuseeland. Dort blieben wir mehrere Tage, machten Ausflüge in die Umgebung zu den Albatross- Kolonien, gaben ein Interview für die Zeitung und zeigten unsere Bilder den Partygästen. Zum Abschied begleiteten uns Bettina, Thomas und ein paar Motorradfreunde auf ihren BMWs für ein paar Stunden.

Das nächste Ziel war der Mt. Cook, der höchste Berg Neuseelands. Wir überholten am Lindis Pass unzählige Oldtimer, die das gleiche Ziel hatten wie wir. Die im Stil der alten Zeit gekleideten Fahrer sahen etwas eingefroren aus – die wenigsten dieser Oldtimer haben ein geschlossenes Dach geschweige denn eine Windschutzscheibe! Später erfuhren wir, daß es diese Oldtimer- Rally bis in das Nachrichtenmagazin “Spiegel” geschafft hatte – weil die Organisatoren der Rally den örtlichen Karateclub angeheuert hatte, um die kostbaren Autos vor den Keas zu schützen. Diese Bergpapageien lieben es nämlich an Autos rumzupicken!

 

Auf einem schönen Naturpark- Campingplatz mit Aussicht auf den Mt. Cook schlugen wir unser Lager auf und zogen uns wegen der Kälte ins Zelt zurück. Bald entdeckten wir aber, dass die Keas sich auch über unsere Motorräder hermachten und die nächsten zwei Stunden bis zur Dunkelheit waren wir damit beschäftigt aus dem Zelt zu springen, um die Horde halbwüchsiger Bergpapageien daran zu hindern, unsere Motorräder in Einzelteile zu zerlegen!

Nach einigen Tagen am Fuß des Mt. Cook, die wir mit Wandern und kurzen Motorradtouren verbrachten,fuhren wir weiter Richtung Christchurch.

Auch in Christchurch kamen wir bei Motorradfahrern unter – Monique und Johan aus den Niederlanden lernten wir auf der Fähre kennen. Mit ihnen machten wir eine wunderschöne Motorradtour über die Summit Road, Dyers Pass und das beliebte Ausflugsziel “Sign of the Kiwi”. Wir genossen die schöne Aussicht auf Christchurch und die Küste – ein wirklich hübsches Fleckchen Erde! Dann trafen wir uns nochmal mit Thomas aus Dunedin, der ein paar Tage geschäftlich in Christchurch war. Eine gute Gelegenheit für eine gemeinsame Ausfahrt auf die Halbinsel “Banks Peninsula”.
Über Lyttleton ging´s nach Akaroa, einem hübschen Örtchen am Meer, in dem sich viel Franzosen niedergelassen haben. Dort gab´s “Fish and Chips” vom feinsten – “Blue Cob” hieß der leckere Fisch.

Die nächste Einladung kam von Rebekka und Mark, die ein nettes Häusschen in Little River, auf halbem Weg von Christchurch nach Akaroa, bewohnten.
Dort angekommen bezogen wir “unser” Schlafzimmer. Die beiden l
iessen sich nicht davon abbringen, uns ihr Ehebett zu überlassen!

Nach einem „Whale Watching“ Stop in Kaikoura fuhren wir abseits der Hauptroute ein hübsches und kurviges, teilweise ungeteertes Sträßchen am Meer entlang nach Picton und über den “Queen Charlotte Drive” in endlosen Kurven über das nette Hafenstädtchen “Havelock” nach Nelson. Auf der einen Seite Urwald, sattes Grün und viele hohe Farnbäume, auf der anderen Seite die Fjordlanschaft des “Queen Charlotte Sound” und “Pelorus Sound”.

In Nelson lernten wir durch Zufall Cordula und Jochen kennen.
Gestartet drei Jahre zuvor in Deutschland mit ihrem umgebauten Landrover und einem Anhänger mit den beiden BMW´s 80 GS drin, fuhren sie auf dem Landweg nach Malaysia, setzten von dort nach Australien über und waren nun seit fünf Monaten in Neuseeland unterwegs. Wir quartierten uns auf dem gleichen, etwas abseits und wunderschön gelegenen Campingplatz ein, und Cordula meldete uns gleich bei einem Grillfest am Abend an – Matthias, ursprünglich aus Deutschland, hatte zum “BBQ” (Barbeque) eingeladen. Eine gemeinsame Motorradtour am nächsten Tag war obligatorisch.


Aus Levin kam die nächste Einladung. Faye und Andy hatten uns zufällig in Wellington gesehen und andere Motorradreisende nach unserer Emailadresse gefragt. So kam der Kontakt zustande! Wieder wurden wir verwöhnt, gemeinsam besuchten wir die Einweihungsparty eines Nachbarn, ein Motocross- Rennen und fuhren am Strand mit den Motorrädern spazieren
.

Auf dem Weg nach Hastings kamen wir am längsten Ortsnamen der Welt vorbei:
Taumatawhakatangihangakoauauotamateapokaiwhenuakitanatahu!

In Hastings machten wir Station bei Methoda und Lothar, einer Slowenin und einem Deutschen, dessen Adresse wir von Freunden zuhause hatten.

Nur 20 km weit fuhren wir zur nächsten Einladung: Bei Folker, den wir auf der BMW- Rally kennengelernt hatten, und der sagte, er wäre beleidigt, wenn wir ihn nicht besuchen kämen!
Folker wanderte schon vor 50 Jahren aus Deutschland nach Neuseeland aus und lebte seither mit seiner neuseeländischen Frau Prue in deren Geburtshaus inmitten von Farmland.
Folker zeigte uns das weite Farmgelände und Duncan, sein Schwiegersohn demonstrierte uns das Arbeiten mit seinen Hirtenhunden. Zum Dinner gab´s ein richtiges Festessen: Zarter Hammelbraten, Rotkraut und Folienkartoffeln. Als Dessert heißer Rhabarber und dazu Eis…lecker!

East Cape, Taupo, Rotorua – Kälte, Wind, Regen und Nebel waren die ständigen Begleiter, und wir konnten die schöne Landschaft nicht geniessen. Ständig naß suchten wir meist Cabins über Nacht, um unsere Sachen zu trocknen und uns aufzuwärmen.

Ein einziges Kurvengeschlängel führte uns durch den urwüchsigen Waipona Forest, der berühmt ist für seine großen, alten Kauri- Bäume. Einst überzogen Kauri- Wälder den ganzen Norden, diese wurden aber fast vollständig abgeholzt.
Viel zu schnell waren wir wieder aus diesem Wald, fuhren eine Kurve und gleichzeitig über eine Kuppe – plötzlich war die Sicht frei auf riesige Sanddünen.
Das nächste Ziel hiess Cape Reinga am nördlichen Zipfel der Nordinsel, wo die “Tasman Sea” auf den Pazifik trifft.


Bei Waipapakawi Beach fuhren wir nur kurz für Fotos auf die Ninety Mile Beach, ein für den Verkehr freigegebener Strand.

Die Strecke an der Küste entlang zurück Richtung Auckland gab immer wieder den Blick frei auf wunderschöne, fast menschenleere Traumstrände. Wir suchten uns Matauri Bay aus, um dort zwei Tage zu bleiben: Wir badeten das erste Mal, seit wir in Neuseeland waren, im Meer!

In Auckland verpackten wir mit Hilfe von Gerda und Alex unsere Motorräder für die weite Fahrt im Container nach den USA. Gerda und Alex organisierten vor unserem Abflug eine tolle Abschiedsparty – und der Abschied von Neuseeland fiel schwer…

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