Australien September-Dezember 2005

Australien

In Sydney hatten wir einige Tage Zeit eingeplant, um uns die Metropole anzusehen bis die Motorräder ankamen.

 

Immer wieder zog es uns zur Opera und zur Harbour Bridge. Wir durchstöberten die Souvenirshops im Hafenviertel “Rocks”, tranken deutsches Bier im “Löwenbräu” und nahmen die Fähre nach Manly, dem berühmten Vorort mit Traumstrand und quirliger Fußgängerzone.

Wir überlegten uns unsere Route durch Australien: In 3 Monaten gegen den Uhrzeigersinn von Sydney nach Melbourne, über Port Augusta nach Norden Richtung Alice Springs, dann gen Osten nach Townsville und zurück nach Sydney. Mehr war wohl nicht drin in „nur“ einem viertel Jahr!

Dann endlich bekamen wir die Nachricht, dass das Containerschiff mit den Motorrädern an Bord im Hafen lag. Bis wir aber endlich losziehen konnten, vergingen noch viele Tage: Zuerst verhinderten ein paar Feiertage die notwendigen Behördengänge wie Quarantänebüro, Zoll und Verkehrsbehörde, dann rückte der Hafen Tommy´s Motorrad wegen einem Zahlendreher auf den Frachtpapieren nicht heraus. Und obwohl wir die Motorräder stundenlang gewienert hatten, fand die Quarantäne- Chefin irgendwo noch winzige Schmutzpartikel und die Dakars mussten unter die Desinfektionsdusche. Nach einer Art TÜV- Check durften wir uns endlich in den ungewohnten Linksverkehr einfädeln.

Schon als Fußgänger hatten´s wir nicht einfach mit dem Linksverkehr. Es wollte einfach nicht in unsere Köpfe, dass wir beim Überqueren einer Straße zuerst nach rechts schauen mussten. Und so sah man uns öfter mal kurzzeitig auf der falschen Straßenseite, bis uns ein entgegenkommendes Fahrzeug auf die andere Seite verwies…


Wir merkten schnell, dass sich die Art zu reisen änderte – ließen wir in Osteuropa und Russland unsere Sieben Sachen nicht aus den Augen, konnten wir hier die Motorräder einfach stehen lassen. Und wir genossen es sehr, mal nicht im Mittelpunkt des allgemeinen Interesses zu stehen.

Meistens suchten wir uns einen Nationalpark, um dort die Nacht auf einem einfachen Campingplatz zu verbringen – mitten in schöner Natur und allerlei Viehzeug um uns rum: Neugierige Kakadus, die sich gerne unser Obst klauten und uns in aller Früh vor Sonnenaufgang mit ihrem Gekreisch weckten, hüpfende Kängurus, die kleineren Verwandten namens Wallabys, Emus, Koalabären und dicke Wombats.

Abends um Sieben wurde es schlagartig dunkel – also ging es für uns früh in die Federn und dementsprechend morgens früh raus.

Beim Moto GP auf Phillip Island lernten wir die Karlsruher Eva und Tim kennen, die für ein halbes Jahr beruflich in Melbourne lebten. Gerne nahmen wir ihre Einladung an, ein paar Tage bei ihnen zu wohnen. Nachdem wir uns verabschiedet hatten, kehrten wir noch am selben Tag zurück. Wegen eines Unfalls, bei dem ein Autofahrer Rosas Motorrad touchiert und dabei den Rahmen verbogen und den Motorradkoffer komplett demoliert hatte, konnten wir nicht weiterfahren. Glücklicherweise war der Autofahrer versichert, was in Australien keine Pflicht ist, und wir bekamen problemlos die Reparaturkosten erstattet. Nur woher einen neuen Koffer, made in Gemany, auf die Schnelle bekommen? Zufälligerweise hatte Tim einen fast fabrikneuen baugleichen Motorradkoffer an seiner KTM, den er uns gab. Er bekam dann ein paar Wochen später Ersatz aus Deutschland!

Endlich konnten wir weiterfahren, entlang der Great Ocean Road mit den zwölf Aposteln, die eigentlich nur noch zu elft sind, da einer von ihnen abgebrochen und im Meer verschwunden ist. Wir gönnten uns einen Hubschrauberrundflug, um die Apostel von einer anderen Perspektive aus zu sehen.

Im Grampians Nationalpark gab es einige Pisten, die mit „only 4WD“ gekennzeichnet waren – wir nahmen sie ohne Gepäck unter die Räder. Mehrere Wanderungen führten zu spektakulären Aussichtspunkten und schönen Wasserfällen.

 

 

 

Auf Kangaroo Island entdeckten wir einen traumhaften Campingplatz mitten im Eukalyptuswald – inklusive Koalas mit Nachwuchs und Beenie, das zahme Känguru, das von Menschenhand aufgezogen wurde. Beenie war uns anfangs ein willkommener Geselle, der sich streicheln ließ und allerlei Unfug mitmachte – als er aber mit ins Zelt wollte, hörte der Spaß auf.

Das Possum, das nachts mit unserem Geschirr im Vorzelt klapperte, ließ sich nur schwer vertreiben und die Koalas, die im Baum über unserem Kopf saßen, raubten uns mit ihrem lauten Gebrüll den Schlaf.

Wieder auf dem Festland fuhren wir über Adelaide nach Port Augusta zu den Flinders Ranges, einer Bergkette vulkanischen Ursprungs bis zu 1000 m Höhe, das oval ein 185 km² großes Tal umschließt. Hier verbrachten wir mehrere Tage mit Pistentouren ohne Gepäck, Wanderungen und einem Rundflug mit einer Propellermaschine.

Je weiter wir ins Outback vordrangen, um so mehr machte uns die Hitze und die „bush flies“ zu schaffen. Diese Buschfliegen krochen uns in die Nase, Augen und Mund und liessen sich kaum abschütteln. Wir nutzten die Kühle am Morgen, um ohne Schwitzen und lästige Fliegen den Oodnadatta Track in Angriff zu nehmen.


Anfangs ließ sich die festgefahrene Erdpiste bestens fahren. Erst kurz vor William Creek, das mit 12 Einwohnern kleinste Dorf von South Australia, wurde die Piste durch tiefen Sand und wellblechartiger Oberfläche zusehends schlechter.

In William Creek stärkten wir uns im urigen Pub mit einer kalte Coke und leckerem Steaksandwich, bevor wir die einsame und schwierig zu fahrende Allradstrecke nach Coober Pedy bei 40°C im Schatten unter die Stollen nahmen. Auf den knapp 200 km kamen uns gerade mal drei Fahrzeuge entgegen.

 

Auf dem schnurgeraden Stuart Highway kamen wir schnell voran nach Norden und bogen ab Richtung Ayers Rock, der in Aborogines- Sprache Uluru heisst. 

Wir umrundeten den zweitgrößten Monolithen der Welt per Motorrad und Pedes und wanderten durch die Schluchten der „Olgas“, einer Felsengruppe aus 36 Kuppen. Auch den Kings Canyon erkundeten wir zu Fuß, früh morgens, um der Hitze zu entgehen.


Kurz vor Hermannsburg hielt uns eine Polizeistreife an und fragte, ob wir Alkohol bei uns hätten. Wir verneinten und durften ins Territorium der Aborigines weiterfahren, wo striktes Alkoholverbot herrschte.

Von Hermannsburg nahmen wir eine Piste ins Palm Valley, einer Schlucht mit Palmen mitten im Outback. Die Hitze, Geröllfelder, tiefer Sand und Wasserfuhrten erschwerten die Bedingungen, und wir benötigten für die 20 km mehr als eine Stunde. Auf dem Rückweg kippte Tommys Dakar um – nicht so schlimm, aber die Fotokamera landete im Sand und war leider nicht mehr reparabel.

Nach einem Stop bei den West MacDonell Ranges erreichten wir Alice Springs. Seit Cooper Pedy drückte uns die Hitze aufs Gemüt, und wir beschlossen nicht viel weiter als bis zur Klimagrenze der Tropen, zum Wendekreis des Steinbocks zu fahren. Immer wieder übernachteten wir statt im Zelt in einer Cabin mit Klimaanlage, um wenigstens ab und zu gut zu schlafen. Nicht einmal nachts kühlte es ab. Zügig fuhren wir weiter, nur selten konnte uns etwas dazu bewegen länger irgendwo auszuharren.

Die Ostküste gefiel uns nicht besonders – zu kommerziell, zuviele Betonburgen und Touristen, zu heiss und zu hohe Luftfeuchtigkeit. Ein Tip von einem niederländischen Paar, das wir kennenlernten, war der Eungella Nationalpark, zu dem wir einen überaus lohnenden Abstecher machten.

Ein kurvenreiches schmales Sträßchen wand sich den Berg hinauf und brachte uns in 700m Höhe zum Nationalpark. Die Aussicht ins Tal war atemberaubend, die Berge hinter uns waren überzogen von dichtem Regenwald. Dort oben war die Luft endlich mal wieder klar und kühl. Der Grund aber den Eungella Nationalpark zu besuchen waren die „Platypus“, Schnabeltiere, seltsame und seltene Beuteltiere. Stundenlang sassen wir am Fluß, um die posierlichen Tierchen zu beobachten.

Die Wanderung durch den Regenwald am nächsten Tag war sehr aufregend. Wir entdeckten einen Schlangenkopf in einer Felsenhöhle und blieben mit gezückter Kamera mucksmäuschenstill stehen und warteten…bis sich das Tier langsam aus der Höhle traute. Was aussah wie eine riesige Schlange entpuppte sich nun als gewöhnlich Echse!
Der nächste Stop ist der Ort „Town of 1770“, von wo wir aus einen tollen Tagesausflug zu der Koralleninsel „Lady Musgrave“ und zum Great Barrier Reef unternahmen.

Nach ein paar Tagen in den Blue Mountains kehrten wir nach Sydney zurück. Dort verpackten wir die Motorräder in Kisten, um sie auf die weitere Reise zu schicken. An “Christmas Eve” (Heilig Abend) fuhren wir zum “Darling Harbour”,einem kleinen Hafenviertel mit vielen Restaurants, Bars und Shops. Auf dem Wasser war eine schwimmende Bühne aufgebaut, abends fand ein Weihnachtskonzert statt. Wir suchten uns also ein Plätzchen in einem netten Restaurant direkt am Hafen, lauschten den Weihnachtsliedern und genossen ein tolles Essen – ein letztes Mal Känguruh- Steak mit Kartoffelbrei und ein Fläschchen Wein.

Wir liessen unsere bisherige Reise Revue passieren und freuten uns auf unser nächstes grosses Ziel – Neuseeland.

Neuseeland Dezember 2005-März 2006