Nordamerika April 2006 – Oktober 2006

Zum Reisebericht: USA  April 2006 – Juni 2006: California > Arizona  > Utah > Wyoming > Montana

  • 10.000 Kilometer
  • Eine Reifenpanne
  • Jeweils zwei Satz Reifen /davon je ein Satz grobstollig als Reserve, eine Kette, ein Ritzel
  • 1 Nacht im Flugzeug
  • 3 Nächte in Pensionen, Cabins oder Motels
  • 43 Nächte im Zelt, 1 x wild zelten, sonst meist auf Campingplätzen in Nationalparks/ State Parks
  • 2 Nächte im Tipi
  • 22 Nächte in privaten Unterkünften

Kanada/ Alaska/ USA Juni 2006 – Oktober 2006:  Alberta > British Columbia > Yukon > North West Territories > Yukon > Alaska > British Columbia > Washington > British Columbia > Washington > Oregon  California ——-REISEBERICHT IN ARBEIT———

  •  22.500 Kilometer
  • Jeweils Kettensatz, Zündkerzen, Lenkkopflager, Simmerringe, ein Bremsbelag hinten
  • 3 Nächte in  Motels
  • 78 Nächte im Zelt, auf Campingplätzen und in Nationalparks/ State Parks
  • 45 Nächte in privaten Unterkünften

Wir starteten am 1. April 2005 unsere Weltreise. Im ersten halben Jahr reisten wir mit unseren Motorrädern von Deutschland bis nach Russland:

Zum Reisebericht: Von Zuhause nach Vladivostok April-September 2005

Danach erkundeten wir im nächsten halben Jahr Australien und Neuseeland:

Zu den Reiseberichten: Australien und Neuseeland September 2005 -März 2006


USA  April 2006 – Juni 2006

Fiji

Während unsere Motorräder im Containerschiff von Sydney nach Los Angeles waren, hatten wir ein paar Tage „Urlaub“ auf Fiji. Anfangs wollten wir zelten. Es gab auch ein Resort, in dem man für ein paar Fiji- Dollar sein Zelt aufschlagen konnte. Unser Plan die Zeit dort zu verbringen scheiterte an der ungünstigen Lage und der Hitze nachts im Zelt. Also mieteten wir kurzerhand ein Auto und erkundeten so die Insel. Tatsächlich fanden wir auch ein tolles Resort, das Tagesbesucher akzeptierte und nebenan eine kleine einfache Unterkunft für wenig Geld.

Wir konnten es aber kaum erwarten das erste Mal den Fuß auf amerikanischen Boden zu setzen. Wir freuten uns auf die USA…

USA

Harry und Susan, wohnhaft in Hollywood Hills, hatten uns für die ersten Tage zu sich eingeladen.
Die Lage ihres kleinen Häusschen ist traumhaft mit Sicht auf das berühmte Hollywood- Zeichen und hinab nach Los Angeles.

Da wir uns gedulden mussten bis wir unsere Motorräder wiedersehen konnten, erkundeten wir mit Harrys BMW die Gegend, die er uns bereitwillig anbot.


Eine weitere Einladung kam von Irl aus Van Nuys. Um die Zeit zu überbrücken bis unsere Motorräder vor Ort waren, lieh er uns seine Honda.

Ausserdem nahm er uns mit zu seiner Arbeitsstelle, einem Tonstudio.

Auf einer dieser Ausfahrten besuchten wir Luanna und Mark in Ventura, die uns sogar einluden, in ihrem Haus mit eigener Yachtanlegestelle während Ihres Urlaubs zu wohnen. Was für eine Gastfreundschaft und Vertrauen, die uns wieder mal entgegengebracht wurde! Wir bedankten uns wie immer mit Reiseanekdoten und wie meist noch mit einem selbstgebackenen Kuchen bei unseren lieben Gastgebern.

Nach einigen Hürden mit Frachtpapieren, Zoll, kalifornischem Führerschein, Haftpflicht und Zulassung, bei denen wir tatkräftig von unseren neuen Bekanntschaften unterstützt wurden, konnten wir endlich unsere Motorräder unbeschadet wieder in Empfang nehmen und freuten uns, dass die Reise weitergehen konnte!

Im Joshua Tree Nationapark campten wir zwischen runden Felsbrocken, Kakteen und Yukka- Palmen. Wir beobachteten Koyoten oder alternativ die Zeltnachbarn beim Bouldern.

  

Wir erkundeten den Nationalpark per Pedes und mit den Motorrädern und wurden mal wieder angesprochen und spontan eingeladen. Wir verbrachten einen feuchtfröhlichen Abend bei Valery und Gary, wir redeten über Gott und die Welt. Die Amerikaner, zumindest die, die wir bisher kennen gelernt hatten, waren ganz anders, wie wir sie uns vorgestellt hatten. Wir erwarteten eher freundliche Oberflächlichkeit, aber führten tiefsinnige Gespräche wie selten…

Über St. Barbara, wo wir der nächsten Einladung folgten und dringend notwendige Wartungsarbeiten an den Motorrädern erledigten, fuhren wir durch den Los Padres National Forest in die Mojave Wüste. Karg und heiß, aber nicht langweilig durch die Begegnung mit einem Bobcat, einem Rotluchs und dem tollen Bergpanorama in der Ferne.

Die Landschaft im Death Valley gefiel uns sehr – mondähnliche Landschaft wechselte sich mit farbenfrohem Kalkstein- Gebirge ab, dazwischen immer wieder überraschend viel Grün.

Auf dem Furnace Creek Campingplatz und bauten unser Zelt unter dem ausladenden und schattenspendenden Ästen eines Baums auf und unternahmen von dort Ausflüge früh morgens oder gegen Abend, wenn die Temperaturen halbwegs erträglich waren. Obwohl – um 23.00 Uhr zeigte das Thermometer immer noch 33°C an… Deswegen schliefen wir ohne Zelt auf den kühlenden Aluminiumtischen, die es auf dem Campingplatz gab!

 

Las Vegas traf uns unvorbereitet, und wir irrten zunächst durch die große Stadt. In einem der Hotels wollten wir nicht übernachten, und so fanden wir im Red Rock Canyon etwas ausserhalb einen tollen Campingplatz in der Natur. Dort gab es wie der Name schon sagt rote Felsen, wilde Esel und eine Geisterstadt. Klar – Las Vegas schauten wir uns auch an und investierten jeder einen Dollar in einen einarmigen Banditen…

Weiter ging es über den Lake Mead und Hoover Dam zur Route 66, die über 2000 Meilen lange Straße, die Chicago mit Los Angeles verbindet. Die Straße wäre eigentlich sehr langweilig, da sie immer nur gerade aus führt, wenn nicht ab und zu ein uriger Pub oder schön dekorierter Souvenirladen am Straßenrand zu sehen wäre.
Plötzlich zwang uns ein Polizeiauto mit Sirenengeheul und nicht nur Blau- sondern auch Rot- und Weißlicht, also dem kompletten Beleuchtungsprogramm, zum Halten. Der Sheriff sprang aus dem Auto und stauchte uns zusammen: Warum wir denn so langsam unterwegs seien, es seien 55 Meilen/ Stunde (ca. 88 km/Std.) erlaubt, und wir ein Verkehrshindernis und eine Gefahr! Wir fuhren tatsächlich nur ungefähr 80 km/Std… Wir gelobten Besserung und hielten uns an die Höchstgeschwindigkeit bis der Sheriff uns einige Meilen später freundlich winkend überholte. Am Anfang unserer Reise wäre uns so etwas nie passiert, aber im Lauf der Zeit hatte sich unsere Reisegeschwindigkeit geändert. Wir wollten uns nicht zu sehr auf den Verkehr konzentrieren müssen, lieber mehr von der Umgebung sehen.

Der einzige Campingplatz, der im Grand Canyon Nationalpark Anfang Mai geöffnet hatte, lag auf der Südseite des Canyons. Die Nordseite war zu der Jahreszeit noch geschlossen, aber dementsprechend waren auch die Besuchermassen noch erträglich. Der erste Besuch wie üblich galt dem Besucherzentrum, um uns mit Kartenmaterial und Infos zu versorgen. Mit den Motorrädern, zu Fuß und dem Shuttlebus erkundeten wir die grandiose Landschaft des Canyons.

Der Canyon de Chelly war wunderschön, und die Schlucht gefiel uns fast besser als der Grand Canyon. Vielleicht lag das auch an den fehlenden Menschenmassen? Rote Felsen rahmten das üppig grüne Tal  ein, dazu der blaue Himmel mit ein paar Schönwetter- Wolken, einfach perfekt… Und dann noch die Ruinen von Felshäusern, die die Ureinwohner Amerikas vor etwa 800 Jahren direkt unter Felsüberhängen in die Felswände gebaut hatten…


Wir wollten gerade unser Zelt aufbauen, als uns eine Navajo- Großfamilie ansprach. Sie hatten viel zu viel Essen eingekauft, und wir wurden herzlich eingeladen, ein paar Steaks mitzuessen. Wir erfuhren, daß ihre Alltagssprache die Navajo- Sprache ist und dass sie sich glücklich schätzten, im Reservat – in ihrem Land – zu leben. Marty, das Oberhaupt der Familie, hatte sich vor einigen Jahren bei der Armee beworben (er wollte unbedingt nach Deutschland) und war sehr betrübt, daß er wegen gesundheitlichen Aspekten nicht genommen worden ist. Die Navajos sind meist sehr patriotisch, im 2. Weltkrieg hatten sie einen Code entwickelt, den die Japaner nie knacken konnten.

Nächstes Ziel war der Mesa Verde Nationalpark, der ähnlich wie der Canyon de Chelly mit Felsenhäuser im Flußtal aufwartete. Aber schon die Strecke dorthin hatte uns sehr viel zu bieten. Zunächst ging´s in engen Kehren über einen Pass, und von oben konnten wir den Ship Rock von Weitem schon ausmachen – diese seltsame Felsformation sah tatsächlich aus wie ein Schiff!


Die Schotterstraße, die wir danach nahmen, war nicht nur eine Abkürzung, sondern brachte auch mehr Fahrspaß – und eine Begegnung mit einer Klapperschlange, die sich mitten auf dem Weg sonnte. In den USA hatten wir übrigens in kürzester Zeit schon mehr Schlangen gesehen als in Australien insgesamt. Fast täglich sahen wir eine am Straßenrand, mal überfahren und tot, mal lebendig.

Die Strecke durch die Rico Mountains war traumhaft schön – Kurvenspaß in unberührter Landschaft, ein paar Schneereste auf 3000m Höhe auf dem Lizard Head Pass. Wir zelteten in Telluride, einem Wintersportort auf 2700m Höhe, und froren ziemlich.


Schöne Motorradstrecken begleiteten uns auch weiterhin.
Am Colorado River entlang fuhren wir zum Arches Nationalpark. Dieser birgt die dichteste Konzentration von Naturbögen, die durch Wasser, Eis, extreme Temperaturen und Verschiebungen unterirdischer Salzschichten in Millionen von Jahren geschaffen wurden.

Nur wenige Kilometer erwartete uns der nächste Nationalpark.
Die Landschaft des Canyonlands Nationalpark war anders – das mit unzähligen Canyons durchzogene weite Hochplateau bestach uns mit seiner großartigen Aussicht in die Canyons.

Ein landschaftliches Highlight jagte das nächste – wir fuhren durch den “Manti- La Sal National Forest” Richtung Monticello und die Highways 191 und 163 entlang der interessanten Steinformationen “Twin Rocks” und “Mexican Hat“ zum Monument Valley.

Die markanten Felsen des Monument Valley sah man schon von weitem, und wir fühlten uns wie in den alten Western. Monument Valley liegt in Navajo- Land, gehört den “Native Americans” und heißt auf Navajo “Tse´Bii`Ndzisgaii”. Das war wahrscheinlich der Grund, daß der etwa 20 km lange Rundweg, den man ohne Führung befahren durfte, nicht geteert war. Schlecht, daß das nirgends stand, und man auch nicht darauf aufmerksam gemacht wurde. Die Piste war in einem sehr schlechten Zustand, der eigentlich hohe Bodenfreiheit und Vierradantrieb erforderlich machte: Tiefer Sand wechselte sich mit tiefen Löchern und holpriger Oberfläche ab. Für uns nicht das Problem, aber für die Harley- Fahrer, die kurz vor Sonnenuntergang noch schnell die Runde drehen wollten und dann natürlich wieder umkehrten, oder die unzähligen Straßenflitzer mit polierten Alufelgen und tiefergelegtem Fahrwerk, die über die Piste schlichen…

Wir fuhren ein schönes Nebensträßchen zum Natural Bridges National Monument, vorbei am “Valley of the Gods”. Schilder kündigten die 3 Meilen Schotterstraße, die sich in Spitzkehren steil den Berg hinauf windete, schon lange vorher an. Aber die war halb so wild – die Kehren geteert und der Schotter nicht tief. Die Aussicht von oben ins “Valley of the Gods” war phantastisch! Auch danach wurden wir von einer tollen Motorradstrecke durch den “Glen Canyon” verwöhnt.

Die Strecke in den Capitol Reef Nationalpark war genial, und die Landschaft, die uns im Nationalpark erwartete, kündigte sich schon früh an – nur waren hier die Felsen grau, und im Park schillerten sie in allen Farben, von lila über orange bis grün!

Der Highway 12 durch die Berge war einfach traumhaft – für viele ist diese Straße eine der schönsten Motorradstrecken der USA. Sie überzeugte uns mit vielen Kurven, schönen Wäldern und grandiosem Panorama. Es war saukalt, und wir wunderten uns über die harten Harley- Fahrer, die ihren Helm nicht auf dem Kopf, sondern am Motorrad angebunden spazieren fuhren…


Kurz vor dem Eingang zum Bryce Canyon Nationalpark gab es einen Campingplatz, der Tipis vermietete. Spontan zogen wir in eines für zwei Tage ein. Am gleichen Tag fuhren wir die Aussichtspunkte des Bryce Canyon ab. Die durch Erosion erzeugten zahllosen Felstürmchen, die nebeneinander in den Himmel ragten, sahen aus wie Menschen, und sie leuchteten in tiefem Orange!

Eine schöne Strecke führte uns Richtung Salt Lake City durch den Fish Lake Forest. Es gab viele Campingplätze, aber die meisten hatten um diese Jahreszeit noch geschlossen – noch schien es nicht attraktiv zu sein, sich in fast 3000 m Höhe zu begeben: Es war kalt, und Schnee lag teilweise auch noch. So war es sehr ruhig, und wir genossen es, die Straße und den Campingplatz fast für uns alleine zu haben.
Der krasse Gegensatz ist dagegen Salt Lake City: Viel Verkehr auf den Freeways und eine schwülwarme Dunstglocke lag über der Stadt. Aber wir mussten in die City, da es hier einen BMW- Händler gab für dringend benötigte Ersatzteile. Beim Chef kamen wir auch noch die Nacht unter -super Sache, zumal das Wetter mit Regen und Hagel nicht zum Zelten einlud.

Die Strecke zum Bear Lake war ein Traum für uns Motorradfahrer. Die Straße wand sich den Berg hinauf zum Monte Cristo Summit auf 9000 ft/ 2700 m Höhe. Kurz vorher musste es geschneit haben, denn es lag Neuschnee – teilweise auch auf der Straße.

Schon früh waren wir auf einem Campingplatz am Bear Lake. Wir waren ganz alleine auf dem Platz, das Wetter wurde endlich wieder schön. Wir machten ein Lagerfeuer  und beobachteten Pelikane auf dem Wasser.

Wieder hatten wir eine schöne Strecke vor uns, sattes Grün und blaue Seen. Mittags hielten wir in Soda Springs und machten Picknick, als gerade der Geysir ausbrach. Die Info- Tafel davor besagte, daß die stündlichen Eruptionen per Zeitschaltuhr gesteuert sind!
Jackson ist quasi das Tor zum Grand Teton Nationalpark und ein mondäner Skiort mit vielen Souvenir- Läden, Restaurants und Hotels.

Die Fahrt in den Nationalpark ist von Jackson aus sehr kurz. Als erstes suchten wir uns einen Campingplatz, stellten unser Zelt auf und packten alles Essbare, Benzinkocher, Töpfe und alles was mit Essen in Berührung kommt in die “Bärkiste”. Es gibt im Park sowohl Schwarzbären als auch Grizzlys. Die großen Metallkisten wurden aufgestellt, um zu vermeiden, daß Bären ins Zelt “einbrechen”…
Der Grand Teton Nationalpark ist landschaftlich sehr schön – er wird im Westen von der Bergkette “Teton Range” begrenzt, schneebedeckte Berge mit über 3000 m Höhe. Zahlreiche Flüsse und Seen gibt es, Wälder, weite Wiesen und sumpfige Weiden. Ideale Bedingungen für die Tierwelt: Es gibt Elche, Wapiti- Hirsche, Bisons, Seeadler, Biber und Otter hier! Bei unseren Streifzügen durch den Nationalpark bekamen wir einige dieser Tiere zu Gesicht: Bison- Kühe mit ihren Kälbchen und mächtige Bison- Bullen, denen man sich nicht nähern sollte, äsende Wapiti- Herden,scheue Pronghorns, ein Fischadler- Pärchen, das über dem See “Jackson Lake” kreiste, ein Biber, der am Flußrand saß und endlich – nach langer Suche ein Elch- Bulle, der sich von uns überhaupt nicht dabei stören ließ, das junge Grün von den Büschen zu zupfen!

Nach zwei Tagen im Grand Teton Nationalpark ging´s zum nächsten Höhepunkt, nur wenige Kilometer weiter: Der Yellowstone Nationalpark.

Der Park liegt recht hoch – im Durchschnitt auf etwa 2300 m Höhe, und ist der erste Nationalpark, der in den USA gegründet wurde. 60% der Fläche wird von Pinienwald bedeckt, und der Nationalpark ist berühmt wegen seinen Geysiren, farbenfrohen heißen Thermalquellen, Wasserfällen und nicht zuletzt wegen der Vielfalt der Tierwelt: Neben Fisch- und Seeadler, Trompeter- Schwan und Pelikan, kann man Bison, Reh, Wapiti- Hirsch, Elch, Pronghorn, Grizzly- und Schwarzbär, Wolf und Koyote teilweise aus nächster Nähe beobachten!

Wir beobachten einen Koyoten, der sich von den zig Zuschauern nicht ablenken ließ, erfolgreich ein Murmeltierchen fing, um dieses anschließend genüsslich zu verspeisen…


Die Thermalgebiete kündigten sich durch Schwefelgeruch und dampfende Schwaden an – wir wurden nicht müde, uns die zahlreichen siedenden Quellen, brodelnden Schlammlöchern und mehr oder wenig hohe Geysir- Ausbrüche anzuschauen. Wir warteten mit hunderten Anderen auf die Eruption des weltberühmten Geysirs “Old Faithful” – der heißt so, weil er zuverlässig etwa alle eineinhalb Stunden eine hohe Wasserfontäne ausspuckt.

Und wir bewunderten die grandiose Aussicht vom “Artist Point” in den “Grand Canyon of the Yellowstone” auf farbenfrohe steile Felswände, den Yellowstone River und den tosenden Wasserfall.

Wir folgten einer Empfehlung und machten uns auf eine Rundtour:
Von Livingston zum Yellowstone Nationalpark, den Chief Joseph Highway, nach Cody, wieder durch den Nationalpark, dann über den Beartooth Highway und zurück nach Livingston.
Wir benötigen drei Tage für diese Traumrunde. Es war kalt, windig und immer wieder regnete es. Kurvenreich schlängelt sich der Chief Joseph Highway den Berg hinauf, wir stoppten auf der Passhöhe und genossen den sagenhaften Panoramablick vom Dead Indian Hill Summit. In Cody dreht sich alles um Buffalo Bill, nach dem dies Stadt benannt wurde.

Wieder fuhren wir durch den Yellowstone Nationalpark und dieses Mal hatten wir Glück – eine Bärenmama mit ihren zwei Jungen waren nur wenige Meter vom Straßenrand zu sehen! Ein riesiger Menschenauflauf schaute verzückt den Kleinen beim Spielen zu, zwei Ranger managten den Verkehr und passten auf, daß sich niemand zu nahe an die Schwarzbär- Familie wagte.


Der “Beartooth Highway” gehört zu den zehn schönsten Straßen der USA (“All American Road”). Es lag noch viel Schnee und die kleinen Seen waren zugefroren Wir kamen uns vor wie in den Alpen: Eine Kurve nach der anderen und immer höher schraubte sich der Highway – bis auf über 3300 m Höhe! Genial der Blick von da oben…

Montana gefiel uns sehr gut – grüne Weiden, Hügel, weite Sicht – irgendwie erinnerte es uns ein bisschen an die Mongolei.

In Kiowa, wenige Kilometer vor der kanadischen Grenze, schlugen wir unser Zelt auf einem einfachen Campingplatz auf. Wir befanden uns am Tor zum Glacier Nationalpark, aber bei dem schlechten Wetter machte es keinen Sinn, diesen zu besuchen. Also beschlossen wir kurzerhand am nächsten Morgen ein neues Land für uns zu entdecken: Kanada!

Neuseeland Dezember 2005-März 2006

Neuseeland


Von Sydney drei Stunden Flug, und wir landeten in Auckland.
Alex, ein Deutscher, der mit seiner Familie vor 20 Jahren nach Neuseeland ausgewandert war, holte uns vom Flughafen ab. Ihn hatten wir über´s Internet schon vor unserer Reise kennengelernt. Er lud uns ein, seine Frau Gerda und ihn zum BMW- Motorradtreffen auf die Südinsel zu begleiten. Sie wollten erst in ein paar Tagen starten, und so hatten wir genügend Zeit die Motorräder aus den Fängen des Zolls zu befreien.


Auf dem Weg zum Motorradtreffen am Arthurs Pass besuchten wir das Te Papa Museum in Wellington, aßen Lobster in Kaikura und entspannten im Thermalbad in Hanmer Springs. Beim BMW- Treffen lernten wir Bernd aus dem Allgäu kennen, der mit seiner BMW für mehrere Monate in Neuseeland war und dort auf einem Weingut jobbte, um sich das Geld für die Heimreise anzusparen. Leider lebt Bernd heute nicht mehr. Er starb auf tragische Weise auf einer seiner Motorradreisen in Afrika, als ihn ein Elefant angriff.

Viele BMW- Motorradfahrer steckten uns ihre Adressen zu, damit wir sie auf der Tour durch Neuseeland besuchten.

Wieder allein unterwegs hielten wir am Franz Josef Glacier, übernachteten am Gillespies Beach und fuhren über den Haast Pass zum Lake Wanaka.


Die Ortschaft mit demselben Namen gefiel uns, und wir blieben wir ein paar Tage, bevor wir nach Te Anau aufbrachen. Dort harrten wir mehrere Regentage aus, um die sogenannte schönste Motorradtour Neuseelands zum Milford Sound bei möglichst gutem Wetter zu bewältigen.

Das Warten lohnte sich: Endloser Kurvenspaß durch eine grandiose Landschaft, schneebedeckte Berge, die sich in klaren Seen spiegelten, Flüße mit blaugrünem Wasser, die sich den Weg ins Tal hinab suchten, Wasserfälle…Und dazu der blaue Himmel und ein paar Wölkchen, die an den Bergen hängengeblieben waren. Ein perfekter Tag für den Milford Sound!

Toddys Adresse, wenige Kilometer von Te Anau entfernt, hatten wir von anderen Motorradweltreisenden. Wir wurden herzlich empfangen und verbrachten den Abend vor Toddy´s Bergen von Fotos von seinen Motorradtouren in aller Welt.
Toddy zeigte uns seine Schätze, die alle im Wohnzimmer auf ihren Einsatz warteten: Eine schnelle Honda, eine dicke Harley und eine DR 650 für´s Grobe. Genauso eine, aber mit großem Tank, wartete in den USA auf seine Rückkehr…
Zum Schlafen durften wir in´s “Cottage”, ein kleines Hüttchen im Garten mit Etagenbetten. Wir sollten doch noch einen Tag länger bleiben. Genau gegenüber seinem Haus begann eine Schotterstraße, die zum “Lake Marova” führte, ein Muß, so sagte Toddy.

Erst um halb Zwölf morgens konnten wir uns zu dieser Tour aufraffen – jetzt oder nie! Der Weg zum Lake Marova war gut zu fahren: Breit, kein Wellblech und nicht allzu tiefer Schotter. Zum hinteren Zipfel des Sees ging´s durch Schlammlöcher im Wald und tiefen Kies am Strand. Vom dort erreichten wir nach etwa 70 km Schotterstraße mit zwei Flußüberquerungen die “Walter Peak Station”, eine Farm direkt am “Lake Wakatipu”. Das breite Tal, die hohen Berge zu beiden Seiten und das goldgelbe Gras, alles erinnerte uns an die Mongolei!

 
Ein historisches Dampfschiff namens “TSS Earnslaw” wurde 1912 als Transportmittel für die abgelegenen Farmen am “Lake Wakapitu” gebaut. Sie konnte bis zu 1500 Schafe auf ihren Decks befördern. Heute bringt sie bis zu 350 Passagiere zur Walter Peak Station, wo man beim Schafescheren und Wollespinnen zuschauen kann.
Und obwohl keine Fahrzeugfähre, brachte sie uns und unsere Motorräder über den See nach Queenstown!

Auf Teer ging´s nun schneller vorwärts und gegen 20°° Uhr trudelten wir wieder bei Toddy ein, und wir schwärmten ihm in den höchsten Tönen von unserer wunderschönen Tagestour vor…

Nun fanden wir Gefallen an Toddys Tourvorschlägen und nahmen uns die nächste vor: Die Nevis Road.


In Bannockburn bei Cromwell bogen wir in einen Schotterweg ein, der sich in Kehren zum „Duffers Saddle” auf knapp 1300 m Höhe hinaufschraubte. Oben angekommen machten wir Rast – wir genossen die grandiose Aussicht hinab ins Tal.
Dann ging´s abwärts Richtung “Nevis Valley”, vorbei an ein paar abgelegenen Farmen.

 
Hätten wir den Pass problemlos auch mit unserem Gepäck bewältigt, waren wir nun froh, daß wir es nicht dabei hatten: Die ersten Flußüberquerungen waren noch bequem – über Brücken. Aber dann entlang der Nevis kreuzten immer wieder Flußläufe (ca. 25!) die Schotterstraße. Meist waren sie knietief, so daß uns das Wasser in die Stiefel schwappte. Danach ging´s an einer historischen Skihütte vorbei ins Tal. Eine geniale Tour mit viel Endurospaß durch eine traumhafte Landschaft .

Eine weitere Endurostrecke lockte uns zum Skippers Canyon.

Skippers Canyon
“Only 4WD” warnte ein Schild, das nächste wies darauf hin, daß dies eine öffentliche Straße sei, die nur mit zugelassenen Fahrzeugen befahren werden darf.

Sie ist steil, schmal, kurvig, sandig und die Straße ist in einen steilen Hang gebaut. Also Endurospaß pur! Hier zieht es viele Abenteuerhungrige her: Ein paar Trialfahrer preschten an uns vorbei, ein Bus mit Mountainbikes auf dem Hänger karrte die Downhill- Fahrer zurück nach Queenstown, und die Busfahrer, die die River- Rafting- Teinehmer zum Ausgangspunkt ihrer Tour auf dem Shotover River brachten, meinten wohl, ihnen gehörte die Sraße allein. Es war ganz schön viel los im Skippers Canyon, und das Herz blieb uns öfters mal stehen, wenn gerade wieder ein “Rafting”- Bus auf der einspuringen Strecke (und wir auf der Abhangseite) um die Ecke fegte.
Trotzdem: Wieder eine wahnsinnig schöne Tour mit atemberaubenden Ausblicken in wunderbarer Natur!


In Dunedin hatten wir eine Anlaufstelle bei Bettina, Thomas und ihren Söhnen, die ursprünglich aus Deutschland, viele Jahre in den USA lebten und seit einem erst in Neuseeland. Dort blieben wir mehrere Tage, machten Ausflüge in die Umgebung zu den Albatross- Kolonien, gaben ein Interview für die Zeitung und zeigten unsere Bilder den Partygästen. Zum Abschied begleiteten uns Bettina, Thomas und ein paar Motorradfreunde auf ihren BMWs für ein paar Stunden.

Das nächste Ziel war der Mt. Cook, der höchste Berg Neuseelands. Wir überholten am Lindis Pass unzählige Oldtimer, die das gleiche Ziel hatten wie wir. Die im Stil der alten Zeit gekleideten Fahrer sahen etwas eingefroren aus – die wenigsten dieser Oldtimer haben ein geschlossenes Dach geschweige denn eine Windschutzscheibe! Später erfuhren wir, daß es diese Oldtimer- Rally bis in das Nachrichtenmagazin “Spiegel” geschafft hatte – weil die Organisatoren der Rally den örtlichen Karateclub angeheuert hatte, um die kostbaren Autos vor den Keas zu schützen. Diese Bergpapageien lieben es nämlich an Autos rumzupicken!

 

Auf einem schönen Naturpark- Campingplatz mit Aussicht auf den Mt. Cook schlugen wir unser Lager auf und zogen uns wegen der Kälte ins Zelt zurück. Bald entdeckten wir aber, dass die Keas sich auch über unsere Motorräder hermachten und die nächsten zwei Stunden bis zur Dunkelheit waren wir damit beschäftigt aus dem Zelt zu springen, um die Horde halbwüchsiger Bergpapageien daran zu hindern, unsere Motorräder in Einzelteile zu zerlegen!

Nach einigen Tagen am Fuß des Mt. Cook, die wir mit Wandern und kurzen Motorradtouren verbrachten,fuhren wir weiter Richtung Christchurch.

Auch in Christchurch kamen wir bei Motorradfahrern unter – Monique und Johan aus den Niederlanden lernten wir auf der Fähre kennen. Mit ihnen machten wir eine wunderschöne Motorradtour über die Summit Road, Dyers Pass und das beliebte Ausflugsziel “Sign of the Kiwi”. Wir genossen die schöne Aussicht auf Christchurch und die Küste – ein wirklich hübsches Fleckchen Erde! Dann trafen wir uns nochmal mit Thomas aus Dunedin, der ein paar Tage geschäftlich in Christchurch war. Eine gute Gelegenheit für eine gemeinsame Ausfahrt auf die Halbinsel “Banks Peninsula”.
Über Lyttleton ging´s nach Akaroa, einem hübschen Örtchen am Meer, in dem sich viel Franzosen niedergelassen haben. Dort gab´s “Fish and Chips” vom feinsten – “Blue Cob” hieß der leckere Fisch.

Die nächste Einladung kam von Rebekka und Mark, die ein nettes Häusschen in Little River, auf halbem Weg von Christchurch nach Akaroa, bewohnten.
Dort angekommen bezogen wir “unser” Schlafzimmer. Die beiden l
iessen sich nicht davon abbringen, uns ihr Ehebett zu überlassen!

Nach einem „Whale Watching“ Stop in Kaikoura fuhren wir abseits der Hauptroute ein hübsches und kurviges, teilweise ungeteertes Sträßchen am Meer entlang nach Picton und über den “Queen Charlotte Drive” in endlosen Kurven über das nette Hafenstädtchen “Havelock” nach Nelson. Auf der einen Seite Urwald, sattes Grün und viele hohe Farnbäume, auf der anderen Seite die Fjordlanschaft des “Queen Charlotte Sound” und “Pelorus Sound”.

In Nelson lernten wir durch Zufall Cordula und Jochen kennen.
Gestartet drei Jahre zuvor in Deutschland mit ihrem umgebauten Landrover und einem Anhänger mit den beiden BMW´s 80 GS drin, fuhren sie auf dem Landweg nach Malaysia, setzten von dort nach Australien über und waren nun seit fünf Monaten in Neuseeland unterwegs. Wir quartierten uns auf dem gleichen, etwas abseits und wunderschön gelegenen Campingplatz ein, und Cordula meldete uns gleich bei einem Grillfest am Abend an – Matthias, ursprünglich aus Deutschland, hatte zum “BBQ” (Barbeque) eingeladen. Eine gemeinsame Motorradtour am nächsten Tag war obligatorisch.


Aus Levin kam die nächste Einladung. Faye und Andy hatten uns zufällig in Wellington gesehen und andere Motorradreisende nach unserer Emailadresse gefragt. So kam der Kontakt zustande! Wieder wurden wir verwöhnt, gemeinsam besuchten wir die Einweihungsparty eines Nachbarn, ein Motocross- Rennen und fuhren am Strand mit den Motorrädern spazieren
.

Auf dem Weg nach Hastings kamen wir am längsten Ortsnamen der Welt vorbei:
Taumatawhakatangihangakoauauotamateapokaiwhenuakitanatahu!

In Hastings machten wir Station bei Methoda und Lothar, einer Slowenin und einem Deutschen, dessen Adresse wir von Freunden zuhause hatten.

Nur 20 km weit fuhren wir zur nächsten Einladung: Bei Folker, den wir auf der BMW- Rally kennengelernt hatten, und der sagte, er wäre beleidigt, wenn wir ihn nicht besuchen kämen!
Folker wanderte schon vor 50 Jahren aus Deutschland nach Neuseeland aus und lebte seither mit seiner neuseeländischen Frau Prue in deren Geburtshaus inmitten von Farmland.
Folker zeigte uns das weite Farmgelände und Duncan, sein Schwiegersohn demonstrierte uns das Arbeiten mit seinen Hirtenhunden. Zum Dinner gab´s ein richtiges Festessen: Zarter Hammelbraten, Rotkraut und Folienkartoffeln. Als Dessert heißer Rhabarber und dazu Eis…lecker!

East Cape, Taupo, Rotorua – Kälte, Wind, Regen und Nebel waren die ständigen Begleiter, und wir konnten die schöne Landschaft nicht geniessen. Ständig naß suchten wir meist Cabins über Nacht, um unsere Sachen zu trocknen und uns aufzuwärmen.

Ein einziges Kurvengeschlängel führte uns durch den urwüchsigen Waipona Forest, der berühmt ist für seine großen, alten Kauri- Bäume. Einst überzogen Kauri- Wälder den ganzen Norden, diese wurden aber fast vollständig abgeholzt.
Viel zu schnell waren wir wieder aus diesem Wald, fuhren eine Kurve und gleichzeitig über eine Kuppe – plötzlich war die Sicht frei auf riesige Sanddünen.
Das nächste Ziel hiess Cape Reinga am nördlichen Zipfel der Nordinsel, wo die “Tasman Sea” auf den Pazifik trifft.


Bei Waipapakawi Beach fuhren wir nur kurz für Fotos auf die Ninety Mile Beach, ein für den Verkehr freigegebener Strand.

Die Strecke an der Küste entlang zurück Richtung Auckland gab immer wieder den Blick frei auf wunderschöne, fast menschenleere Traumstrände. Wir suchten uns Matauri Bay aus, um dort zwei Tage zu bleiben: Wir badeten das erste Mal, seit wir in Neuseeland waren, im Meer!

In Auckland verpackten wir mit Hilfe von Gerda und Alex unsere Motorräder für die weite Fahrt im Container nach den USA. Gerda und Alex organisierten vor unserem Abflug eine tolle Abschiedsparty – und der Abschied von Neuseeland fiel schwer…

Australien September-Dezember 2005

Australien

In Sydney hatten wir einige Tage Zeit eingeplant, um uns die Metropole anzusehen bis die Motorräder ankamen.

 

Immer wieder zog es uns zur Opera und zur Harbour Bridge. Wir durchstöberten die Souvenirshops im Hafenviertel “Rocks”, tranken deutsches Bier im “Löwenbräu” und nahmen die Fähre nach Manly, dem berühmten Vorort mit Traumstrand und quirliger Fußgängerzone.

Wir überlegten uns unsere Route durch Australien: In 3 Monaten gegen den Uhrzeigersinn von Sydney nach Melbourne, über Port Augusta nach Norden Richtung Alice Springs, dann gen Osten nach Townsville und zurück nach Sydney. Mehr war wohl nicht drin in „nur“ einem viertel Jahr!

Dann endlich bekamen wir die Nachricht, dass das Containerschiff mit den Motorrädern an Bord im Hafen lag. Bis wir aber endlich losziehen konnten, vergingen noch viele Tage: Zuerst verhinderten ein paar Feiertage die notwendigen Behördengänge wie Quarantänebüro, Zoll und Verkehrsbehörde, dann rückte der Hafen Tommy´s Motorrad wegen einem Zahlendreher auf den Frachtpapieren nicht heraus. Und obwohl wir die Motorräder stundenlang gewienert hatten, fand die Quarantäne- Chefin irgendwo noch winzige Schmutzpartikel und die Dakars mussten unter die Desinfektionsdusche. Nach einer Art TÜV- Check durften wir uns endlich in den ungewohnten Linksverkehr einfädeln.

Schon als Fußgänger hatten´s wir nicht einfach mit dem Linksverkehr. Es wollte einfach nicht in unsere Köpfe, dass wir beim Überqueren einer Straße zuerst nach rechts schauen mussten. Und so sah man uns öfter mal kurzzeitig auf der falschen Straßenseite, bis uns ein entgegenkommendes Fahrzeug auf die andere Seite verwies…


Wir merkten schnell, dass sich die Art zu reisen änderte – ließen wir in Osteuropa und Russland unsere Sieben Sachen nicht aus den Augen, konnten wir hier die Motorräder einfach stehen lassen. Und wir genossen es sehr, mal nicht im Mittelpunkt des allgemeinen Interesses zu stehen.

Meistens suchten wir uns einen Nationalpark, um dort die Nacht auf einem einfachen Campingplatz zu verbringen – mitten in schöner Natur und allerlei Viehzeug um uns rum: Neugierige Kakadus, die sich gerne unser Obst klauten und uns in aller Früh vor Sonnenaufgang mit ihrem Gekreisch weckten, hüpfende Kängurus, die kleineren Verwandten namens Wallabys, Emus, Koalabären und dicke Wombats.

Abends um Sieben wurde es schlagartig dunkel – also ging es für uns früh in die Federn und dementsprechend morgens früh raus.

Beim Moto GP auf Phillip Island lernten wir die Karlsruher Eva und Tim kennen, die für ein halbes Jahr beruflich in Melbourne lebten. Gerne nahmen wir ihre Einladung an, ein paar Tage bei ihnen zu wohnen. Nachdem wir uns verabschiedet hatten, kehrten wir noch am selben Tag zurück. Wegen eines Unfalls, bei dem ein Autofahrer Rosas Motorrad touchiert und dabei den Rahmen verbogen und den Motorradkoffer komplett demoliert hatte, konnten wir nicht weiterfahren. Glücklicherweise war der Autofahrer versichert, was in Australien keine Pflicht ist, und wir bekamen problemlos die Reparaturkosten erstattet. Nur woher einen neuen Koffer, made in Gemany, auf die Schnelle bekommen? Zufälligerweise hatte Tim einen fast fabrikneuen baugleichen Motorradkoffer an seiner KTM, den er uns gab. Er bekam dann ein paar Wochen später Ersatz aus Deutschland!

Endlich konnten wir weiterfahren, entlang der Great Ocean Road mit den zwölf Aposteln, die eigentlich nur noch zu elft sind, da einer von ihnen abgebrochen und im Meer verschwunden ist. Wir gönnten uns einen Hubschrauberrundflug, um die Apostel von einer anderen Perspektive aus zu sehen.

Im Grampians Nationalpark gab es einige Pisten, die mit „only 4WD“ gekennzeichnet waren – wir nahmen sie ohne Gepäck unter die Räder. Mehrere Wanderungen führten zu spektakulären Aussichtspunkten und schönen Wasserfällen.

 

 

 

Auf Kangaroo Island entdeckten wir einen traumhaften Campingplatz mitten im Eukalyptuswald – inklusive Koalas mit Nachwuchs und Beenie, das zahme Känguru, das von Menschenhand aufgezogen wurde. Beenie war uns anfangs ein willkommener Geselle, der sich streicheln ließ und allerlei Unfug mitmachte – als er aber mit ins Zelt wollte, hörte der Spaß auf.

Das Possum, das nachts mit unserem Geschirr im Vorzelt klapperte, ließ sich nur schwer vertreiben und die Koalas, die im Baum über unserem Kopf saßen, raubten uns mit ihrem lauten Gebrüll den Schlaf.

Wieder auf dem Festland fuhren wir über Adelaide nach Port Augusta zu den Flinders Ranges, einer Bergkette vulkanischen Ursprungs bis zu 1000 m Höhe, das oval ein 185 km² großes Tal umschließt. Hier verbrachten wir mehrere Tage mit Pistentouren ohne Gepäck, Wanderungen und einem Rundflug mit einer Propellermaschine.

Je weiter wir ins Outback vordrangen, um so mehr machte uns die Hitze und die „bush flies“ zu schaffen. Diese Buschfliegen krochen uns in die Nase, Augen und Mund und liessen sich kaum abschütteln. Wir nutzten die Kühle am Morgen, um ohne Schwitzen und lästige Fliegen den Oodnadatta Track in Angriff zu nehmen.


Anfangs ließ sich die festgefahrene Erdpiste bestens fahren. Erst kurz vor William Creek, das mit 12 Einwohnern kleinste Dorf von South Australia, wurde die Piste durch tiefen Sand und wellblechartiger Oberfläche zusehends schlechter.

In William Creek stärkten wir uns im urigen Pub mit einer kalte Coke und leckerem Steaksandwich, bevor wir die einsame und schwierig zu fahrende Allradstrecke nach Coober Pedy bei 40°C im Schatten unter die Stollen nahmen. Auf den knapp 200 km kamen uns gerade mal drei Fahrzeuge entgegen.

 

Auf dem schnurgeraden Stuart Highway kamen wir schnell voran nach Norden und bogen ab Richtung Ayers Rock, der in Aborogines- Sprache Uluru heisst. 

Wir umrundeten den zweitgrößten Monolithen der Welt per Motorrad und Pedes und wanderten durch die Schluchten der „Olgas“, einer Felsengruppe aus 36 Kuppen. Auch den Kings Canyon erkundeten wir zu Fuß, früh morgens, um der Hitze zu entgehen.


Kurz vor Hermannsburg hielt uns eine Polizeistreife an und fragte, ob wir Alkohol bei uns hätten. Wir verneinten und durften ins Territorium der Aborigines weiterfahren, wo striktes Alkoholverbot herrschte.

Von Hermannsburg nahmen wir eine Piste ins Palm Valley, einer Schlucht mit Palmen mitten im Outback. Die Hitze, Geröllfelder, tiefer Sand und Wasserfuhrten erschwerten die Bedingungen, und wir benötigten für die 20 km mehr als eine Stunde. Auf dem Rückweg kippte Tommys Dakar um – nicht so schlimm, aber die Fotokamera landete im Sand und war leider nicht mehr reparabel.

Nach einem Stop bei den West MacDonell Ranges erreichten wir Alice Springs. Seit Cooper Pedy drückte uns die Hitze aufs Gemüt, und wir beschlossen nicht viel weiter als bis zur Klimagrenze der Tropen, zum Wendekreis des Steinbocks zu fahren. Immer wieder übernachteten wir statt im Zelt in einer Cabin mit Klimaanlage, um wenigstens ab und zu gut zu schlafen. Nicht einmal nachts kühlte es ab. Zügig fuhren wir weiter, nur selten konnte uns etwas dazu bewegen länger irgendwo auszuharren.

Die Ostküste gefiel uns nicht besonders – zu kommerziell, zuviele Betonburgen und Touristen, zu heiss und zu hohe Luftfeuchtigkeit. Ein Tip von einem niederländischen Paar, das wir kennenlernten, war der Eungella Nationalpark, zu dem wir einen überaus lohnenden Abstecher machten.

Ein kurvenreiches schmales Sträßchen wand sich den Berg hinauf und brachte uns in 700m Höhe zum Nationalpark. Die Aussicht ins Tal war atemberaubend, die Berge hinter uns waren überzogen von dichtem Regenwald. Dort oben war die Luft endlich mal wieder klar und kühl. Der Grund aber den Eungella Nationalpark zu besuchen waren die „Platypus“, Schnabeltiere, seltsame und seltene Beuteltiere. Stundenlang sassen wir am Fluß, um die posierlichen Tierchen zu beobachten.

Die Wanderung durch den Regenwald am nächsten Tag war sehr aufregend. Wir entdeckten einen Schlangenkopf in einer Felsenhöhle und blieben mit gezückter Kamera mucksmäuschenstill stehen und warteten…bis sich das Tier langsam aus der Höhle traute. Was aussah wie eine riesige Schlange entpuppte sich nun als gewöhnlich Echse!
Der nächste Stop ist der Ort „Town of 1770“, von wo wir aus einen tollen Tagesausflug zu der Koralleninsel „Lady Musgrave“ und zum Great Barrier Reef unternahmen.

Nach ein paar Tagen in den Blue Mountains kehrten wir nach Sydney zurück. Dort verpackten wir die Motorräder in Kisten, um sie auf die weitere Reise zu schicken. An “Christmas Eve” (Heilig Abend) fuhren wir zum “Darling Harbour”,einem kleinen Hafenviertel mit vielen Restaurants, Bars und Shops. Auf dem Wasser war eine schwimmende Bühne aufgebaut, abends fand ein Weihnachtskonzert statt. Wir suchten uns also ein Plätzchen in einem netten Restaurant direkt am Hafen, lauschten den Weihnachtsliedern und genossen ein tolles Essen – ein letztes Mal Känguruh- Steak mit Kartoffelbrei und ein Fläschchen Wein.

Wir liessen unsere bisherige Reise Revue passieren und freuten uns auf unser nächstes grosses Ziel – Neuseeland.

Neuseeland Dezember 2005-März 2006

 

 

 

 

 

 

 

Australien und Neuseeland September 2005 – März 2006

Wir starteten am 1. April 2005 unsere Weltreise. Im ersten halben Jahr reisten wir mit unseren Motorrädern von Deutschland bis nach Russland:

Zum Reiesebericht: Von Zuhause nach Vladivostok April-September 2005

Von Südkorea verschifften wir dann die Motorräder nach Australien:

Zum Reisebericht: Australien September 2005 – Dezember 2005

Von Australien ging es daraufhin nach Neuseeland:

Zum Reisebericht: Neuseeland Dezember 2005-März 2006

Australien und Neuseeland:

  • 25.000 Kilometer
  • Jeweils ein Satz Reifen, jeweils Reifen hinten, jeweils Bremsbeläge hinten, ein Lenkkopflage, jeweils zwei Zündkerzen, jeweils Simmerringe, ein Kupplungszug, jeweils zwei Kettensätze
  • Ein Unfall mit glimpflichem Ausgang
  • Ein defekter Fotoapparat nach einem Sturz in den Sand
  • 1 Nacht im Flugzeug
  • 37 Nächte in Pensionen, Cabins oder Hotels
  • 111 Nächte im Zelt
  • 34 Nächte in privaten Unterkünften